Der Fachbereich Elektrische Energietechnik EET hat unter Leitung des Labors für Hochspannungstechnik vom 06.02.2026 bis zum 11.02.2026 eine Exkursion nach Süddeutschland und Österreich geplant und ausgerichtet. Zu den 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zählten in erster Linie Studierende der Studiengänge Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen (WING).
Vorrangiges Ziel der Exkursion war es, den Studierenden Einblicke in Energieinfrastruktur und Industrien, welche einen Beitrag zur Energiewende leisten, zu gewähren. Gleichzeitig bildeten sich die Studierenden gegenseitig in Form von Seminarvorträgen in den Themenbereichen Energie, Netze und Stromhandel fort. Exkursionen wie diese tragen dazu bei, dass die Studierenden des Fachbereichs am Ende ihres Studiums nicht nur durch ihr theoretisches Fachwissen brillieren können, sondern auch bereits über die Vorstellung verfügen, wie dieses in der Praxis Anwendung findet. Außerdem können die Studierenden auf den Exkursionen ihre Netzwerke erweitern und potentielle zukünftige Arbeitgeber kennenlernen, die, wie die Exkursion erneut zeigte, händeringend nach Fachkräften oder auch Studierende für Abschlussarbeiten suchen.
Die Exkursion startete am Freitag, dem 06.02.2026, gegen 10:30 Uhr am Campus in Soest. Unmittelbar vor der Abfahrt schrieben einige Studierende noch ihre letzten Klausuren, bevor sie mit ihren Koffern in den Bus stiegen. Ziel des Tages war es, das Hotel der ersten drei Nächte in Zell am See, Österreich, zu erreichen. Am gleichen Tag stellten die ersten drei Gruppen ihre Seminare vor. Der erste Vortrag war dem Pumpspeicherkraftwerk Kaprun gewidmet. Dieses würde am kommenden Montag besichtigt werden und durch den Vortrag erhielten die Studierenden bereits wichtige Informationen, was sie dort erwarten würde. Der zweite Vortrag widmete sich dem 380 kV Übertragungsnetz, den Autobahnen des Stroms. Am letzten Tag der Exkursionen würden die Studierenden noch eine 380 kV Freileitungsbaustelle von Tennet besichtigen. Der letzte Vortrag des Tages beschäftigte sich mit dem Zusammenspiel aus Kraftwerken, Netzen und Industrie. Das Wochenende stand unter dem Motto Teambuilding und Netzwerken. Zwei Tage lang hatten die Studierenden die Möglichkeit, in der Region Zell am See Ski- und Snowboard zu fahren. Diese gemeinsamen Aktivitäten fördern den Austausch der Studierenden untereinander, besonders zwischen verschiedenen Semestern und Studiengängen. Bei den gemeinsamen Abendaktivitäten konnten so Fachdiskussionen entstehen und die Studierenden lernten unterschiedliche Perspektiven auf Themen kennen. Auch in den Gesprächen mit den Professoren konnten die Studierende wichtige Tipps für ihren beruflichen Werdegang mitnehmen. Am Montag stand die erste Besichtigung auf dem Plan. Bei der Kraftwerksgruppe Kaprun erhielten die Studierenden Einblicke in den Aufbau und Betrieb eines mehrstufigen Pumpspeicherkraftwerks. Zunächst wurde der Gruppe im Informationszentrum des Kraftwerks ein Überblick über die verschiedenen Staustufen und Kraftwerksteile verschafft. Anschließend konnte die Gruppe zunächst die Turbinen des dort befindlichen Kraftwerks Hauptstufe besichtigen, bevor es anschließend mit einer Autofahrt in den Berg zur Kaverne von Limberg II ging. Die dortige Anlage hatte mit 0,5 GW beinahe die Doppelte Leistung. Besonders für Studierende jüngerer Semester, war es sehr aufschlussreich zu sehen, was für ein breites Spektrum allein die Elektrotechnik in einem Kraftwerk abdeckt. Vom Generator, über Stellmotoren und Steuerungen, bis hin zum Kontrollsystem, lassen sich an einem Ort viele Aspekte des Studiums wiederfinden.

Nach der Besichtigung ging es mit dem Bus nach München. Außerdem folgten drei weitere Seminarvorträge. Der erste beschäftigte sich mit dem internationalen Stromhandel. Die beiden verbleibenden Vorträge thematisierten mit TE-Connectivity und dem DLR zwei weitere Stationen, die an dem kommenden Tag besichtigt werden sollten. Am Dienstagvormittag ging es dementsprechend zunächst zu TE Connectivity. Einem Hersteller für Steckverbinder und Verbindungssystemen in nahezu allen Leistungsklassen. In einem praxisnahen Vortrag verknüpfte Alexander Eigner zunächst die Theorie aus der Elektrotechnikvorlesung, insbesondere der Maxwell’schen Gleichungen, mit deren industrieller Anwendung in der Feldsteuerung von Verbindern. Solch eine praxisnahe Veranschaulichung hilft den Studierenden beim Verständnis sowie der Verinnerlichung der Theorie des Studiums. Außerdem wurde ihnen verdeutlicht, dass diese Verbindersysteme mit einer intelligenter Feldsteuerung wichtige Komponenten im Energiesystem sind und damit eine entscheidende Rolle in der Energiewende spielen. Im zweiten Programmteil durften die Studierenden zum einen die Hochspannungs-Prüfstände kennenlernen, wo sie praktische Anwendungen der Inhalte aus den Hochspannungstechnik-modulen im Studium sehen konnten. Außerdem gab es eine Führung durch die Produktion am Standort.

Nachmittags ging es zum Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Die erste Station war ein Hangar, in dem das DLR einen Teil der eigenen (und europaweit größten) Forschungsflugzeugflotte wartet und umrüstet. Die Studierenden konnten einen Eindruck davon gewinnen, für welche Forschung die Flugzeuge eingesetzt werden und wie diese für jede Mission umgebaut und neu zugelassen werden müssen. Im zweiten Teil wurden die Gruppe im Nationalen Raumfahrtskontrollzentrum (GSOC) begrüßt. Hier wurden die Studierenden zunächst über verschiedene Satellitensystemen und Raumstationen sowie deren Lage und Bewegungen im Orbit informiert. Anschließend lernten sie die Entwicklung und den Aufbau der ISS kennen und durften in einer Nachbildung des europäischen Columbus Moduls der European Space Agency (ESA) selbst erfahren, auf welch kleinem Raum die Astronauten auf der ISS leben und arbeiten. Das Highlight war der Einblick in das tatsächliche Kontrollzentrum, in dem live-Bilder der ISS zu sehen waren. Zudem konnte ein Einblick in die Aufgaben der aktuell drei ISS-Besatzungsmitglieder gewonnen werden.

Am letzten Tag besichtigte die Gruppe eine 380 KV-Freileitungsbaustelle im Netzgebiet der Tennet. Zur Verstärkung des Übertragungsnetzes im Süden Deutschlands wird eine alte Freileitungstrasse erneuert, um mehr Übertragungskapazitäten bis zur österreichischen Grenze zu schaffen. Die Mitarbeiter der dort agierenden Firma Cteam zeigten den Studierenden mehrere Abschnitte dieser Trasse in verschiedenen Baustadien. So konnten sich die Studierenden ein gutes Bild von dem Bauvorhaben machen. Interessant waren zudem die Berichte der Mitarbeiter über die Herausforderungen beim Bau von Freileitungen.

Nach einer langen Fahrt endete die Exkursion mit der Ankunft am Campus in Soest gegen 22 Uhr am Mittwochabend. Mit Sicherheit haben alle Studierende viele neue wertvolle Eindrücke in die Praxis und die Energiewende erhalten. Vielleicht hilft es einigen bei der Wahl ihrer Vertiefungsrichtung im Studium oder bei der Berufswahl nach dem Studium. Eventuell hat die eine oder andere Person sogar einen für sich passenden potentiellen Arbeitgeber auf der Exkursion kennengelernt. Genau deswegen sind Exkursionen im Studium so wertvoll für alle Beteiligten.